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"Serenade 2014" des Kulturkreises Grafenau

Kirche statt Schlosshof: Das Sextett Foaie Verde gastierte in Dätzingen.

Bild: Stampe

 

Zwischen Largo und Sohlenglühen

08.07.2014 -

Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden

Überraschungen waren allerdings inbegriffen. Zum Beispiel eine kuriose Ansage. „Ich bin sicher, das Wetter wird uns nicht enttäuschen. Es wird regnen“, begrüßte Chef-Geiger Sebastian Klein das Publikum zu diesem Sommerkonzert, das traditionell im Schlosshof stattfindet. Was war passiert?

 

Bei strahlendem Sonnenschein strömten die Besucher am Sonntagabend zum Schlosshof. Und wurden weiter geschickt zur katholischen Kirche, der Schlechtwetter-Alternative für die Sommerkonzerte. So sah sich Peter Koepf angesichts des prächtigen Wetters in St. Leonhard vor Konzertbeginn zu einer Erklärung genötigt. Ob um 19 Uhr Schlosshof oder Kirche, diese Entscheidung müsse spätestens um 15.30 Uhr getroffen werden, sagte der Vorsitzende des Kulturkreises Grafenau. Der Wetterdienst des Stuttgarter Flughafens aber habe vor einer Freiluftveranstaltung gewarnt.

Nun hätte weder Peter Koepf noch Geiger Klein darum groß Aufhebens machen müssen. St. Leonhard war schon öfters ein guter Konzert-Gastgeber. Allerdings bewahrheitete sich schnell, was zu erwarten war. Vieles von Foaie Verde passt schlicht nicht zu St. Leonhard. Die Kirche hat reichlich Hall. Bei größeren Besetzungen und vielen Tönen in kürzester Zeit kann das der Killer sein.

 

So wurde dieses Konzert wie selten ein anderes zum Abend der zwei Gesichter. In Vollbesetzung inklusive Sängerin Katalin Horvath oder rein instrumental in Quartett- oder Quintettstärke neigte die Musik, die schwerpunktmäßig eine Rundreise über den Balkan mit Ausflügen gen Russland und Türkei nebst Abstechern nach Frankreich war, zum vor allem rhythmisch kaum nachvollziehbaren Brei.

Immerhin, dass mit Sebastian Klein und Felix Borel zwei violinistische, ausgezeichnet aufeinander eingespielte Spitzenkräfte am Start sind, das wurde trotz der Bedingungen deutlich: Zwischen beide Violinen passt kein Bogenhaar, selbst wenn Tempi und Phrasen sehr frei daherkommen. Als Mitglieder renommierter deutscher Klassikorchester ist technische Perfektion garantiert, darüber hinaus erweisen beide sich als Meister im Metier des spontanen und improvisierten Musizierens.

Anders aber als etwa viele Gypsy-Jazz-Formationen ist Foaie Verde nicht einseitig abonniert auf High-Speed-Musik. Welch Glücksfall. Neben hitzig-turbulenten Hochzeitsliedern und Tanzmusik Marke Sohlenglühen hat die Gruppe auch Largo-Lieder der Klage-Kategorie im Repertoire. Das zunächst solistisch von Vokalistin Horvath, dann dezent vom Knopfakkordeon Vladimir Trenins unterlegte und vom Kontrabass Veit Hübners begleitete „Páva“ kommt in der Kirchenakustik hervorragend, wie überhaupt die vielen kreativen, melodiösen Kontrabass-Soli von St. Leonhard profitieren. Auch die klangexperimentellen Exkursionen Felix Borels entfalten sich wunderbar, in reduzierter Trio-Besetzung erschließt sich überdies, dass Gitarrist Frank Wekenmann sein Handwerk versteht.

Ausgetüftelte Arrangements mit viel Gestaltungsspielraum, mal mitreißende, mal berührende Momente, dazu eine Musikmischung von orientalischen Exotismen bis zu europäischer Hochkulturmusik machen Foia Verde zu einem nie langweilig werdenden Erlebnis. Dass diese Musik besser im Schlosshof residiert hätte, steht auf einem anderen Blatt. Das Wetter spielte übrigens nur halbwegs mit. Erst zur dritten Zugabe nahm das Unwetter langsam seinen Lauf.