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Mozart nüchtern und kristallin

11.06.2014 - Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden

Jedem halbwegs in Sachen Klassik Gebildeten müsste zum Genre vierhändig und von Folklore inspiriert spontan eines in den Sinn kommen: Die „Ungarischen Tänze“ von Johannes Brahms nämlich. Tatsächlich scheuten sich die beiden Pianistinnen vor dem Nahe liegenden nicht und nahmen auch drei Tänze des deutschen Romantikers in ihr Programm auf.

 

Zunächst aber widmeten sie sich dem Fernliegenden: Mozarts C-Dur-Sonate, im Köchel-Verzeichnis (KV) geführt unter der Nummer 521, entzieht sich tatsächlich der Subsumierung unters Folklorethema. Allerdings vermochte die aus Korea stammende Sae-Nel Lea Kim, bei Mozart zuständig fürs obere Notensystem, hier zu verdeutlichen, warum sie schon mehrfach für ihre Mozart-Interpretation ausgezeichnet worden ist.

Sie spielt einen handwerklich einwandfreien, vergleichsweise nüchternen Mozart ohne Schaumschlägereien, der trotz kristalliner Artikulation und gelegentlicher Wucht frei von Verhärtungen bleibt. Gemeinsam inszeniert das Duo dabei überzeugend auch die gelegentlich aufziehenden Bewölkungen wie im Andante oder die opernhaft-dramatischen Abirrungen des zunächst als naive Tändelei anhebenden Finales.

 

Freilich, Mozart verrät auch in Details eine durchaus unterschiedliche Anschlagkultur der beiden Pianistinnen: Marie-Luise Bodendorff ist von der Grundkonsistenz her softer, hat auch das fließendere Legato. Dass sie für Rachmaninows mit einigen Russizismen und Slawismen gespicktes „Six Morceaux“ die Oberstimmenposition übernimmt, verleiht diesen Stücken folgerichtig eine andere, mehr malerische Linie.

Die Werke zählen zweifellos nicht zu den ganz großen Würfen Rachmaninows, wirken manchmal kompositorisch wenig inspiriert und ideenlos. Bemerkenswert daher, was dieses Duo es schafft, Koboldhaftes dem Scherzo zu entlocken, dank guter Technik und Tempo-Mut im Finale dem Walzer Brillanz zu verleihen oder auch die ins Okkulte gedrängte Romanze interessanter zu machen, als sie eigentlich ist.

Vier norwegische Volkstänze Eduard Griegs nimmt das Duo zum Anlass, neben so orchestralem wie rustikalem Stampfen auch sublimere Facetten dieser sehr folkloristischen Stücke auszuleuchten. Im Allegretto balancieren sie behutsam ballerinenhaft, zeigen im Folgesatz aber auch, welch grazilen Gewebefäden selbst in einen Marsch eingearbeitet sein können, um im Finale ausgiebig den grüblerischen Seiten der Nordlichter nachzuspüren.

Auch wenn das Duo viele seiner Fähigkeiten in die drei populärsten ungarischen Tänze von Brahms einfließen lässt: An gut gespielte Orchesterfassungen reicht ihre Darbietung in puncto Überraschung und Spannungskreation nicht ganz hin. Zudem ziemlich irritierend, dass dem ansonsten hochseriös aufspielenden Duo hier zwei, drei ziemlich penetrant sich bemerkbar machende Fehler unterlaufen.