Serenadenkonzert im Schloss Dätzingen: 

Von Liebe und Einsamkeit

Der Kulturkreis Grafenau feiert bei seiner Sommerserenade französische Musik und Lebensart

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"Unter dem Himmel von Paris" lautete das Motto des Serenadenkonzerts im Innenhof vom Dätzinger Schloss - 

Dabei widmeten sich das Ensemble Bidonville und Sängerin Clémentine Duguets 

den Chansons der 1950er und 60er Jahre Foto: Gaetano Di Rosa

Artikel vom 14. Juli 2019 - 19:00 von Jan Renz

DÄTZINGEN. 

"Unter dem Himmel von Paris" lautete das Motto des Serenadenkonzertes, das der Kulturkreis Grafenau im romantischen Innenhof im Schloss Dätzingen auf die Beine stellte.

Ein Motto, das am Samstag ein wenig Mut erforderte. Immer wieder wanderten die bangen Blicke in Richtung Himmel. Würde es regnen? Dennoch entschieden sich die Veranstalter, das Konzert draußen stattfinden zu lassen. Und trafen damit die richtige Wahl, denn erst nach zweieinhalb Stunden begann es etwas zu tröpfeln.

Im Schlosshof entfaltete sich indes ein aparter Chanson-Abend, der sich ganz um die Liebe, die Einsamkeit und die Zweisamkeit drehte. Das Programm führte ins Paris der 1950er und 60er Jahre, daher durften Chansons wie "Padam Padam" oder "La vie en rose" von Edith Piaf natürlich nicht fehlen. Sie gilt als Grande Dame des Chansons.

Der Anfang gehörte dem Ensemble Bidonville um den in Ludwigsburg lebenden Franzosen Thierry Saladin. Seine Band trat auch schon im Fernsehen auf. Saladin besitzt eine expressive Stimme, mit der er beinahe schon akrobatisch umgehen kann. Sein Gesang nähert sich oft dem Sprechen, dabei schlägt er Brücken zwischen Jazz und Chansons. Begleitet wurde er von kompetenten Musikern der Stuttgarter Jazzszene: an der Gitarre Oliver Biella, am Kontrabass Christoph Sauer und am Akkordeon der Grafenauer Thomas Ott. Der letztgenannte engagiert sich im Übrigen im Kulturkreis Grafenau in der Sparte Theater. An diesem Abend wurde das Quartett durch den Stuttgarter Saxofonisten und Querflötisten Jürgen Häussler ergänzt. Bei "Quand tu danses" geriet der Sänger ins Tanzen, rassig klang seine Stimme im "Le temps du Tango". Deutlich dabei zu hören: Der Franzose möchte Geschichten erzählen.

Unverwechselbar und kraftvoll

Nach vierzig Minuten betrat ganz in Schwarz gekleidet Clémentine Duguets die Bühne. "Ich spreche sehr, sehr schlecht Deutsch", gestand die Künstlerin, die mit Yves Weyh ihren persönlichen Akkordeonisten mitgebracht hatte. Verständlich also, dass sie 22 ihrer 23 Titel wie "Mon amant de Saint Jean" in französischer Sprache präsentierte. Eine Ausnahme machte die Sängerin dann aber doch bei "Göttingen" von Barbara. Mit ihrer unverwechselbaren, kraftvollen Stimme, die viele Nuancen besitzt, brachte sie das Publikum zum Träumen. Auch mit den Chansons von Cole Porter, der Paris genauso liebte, wie diese musikalische Stilrichtung und der sich daher auch in diesem Genre versuchte. Beschwingt brachte Duguet "C'est magnifique" auf die Bühne, bevor sie den ersten Konzertteil mit Edith Piafs bekanntestem Hit "Non, je ne regrette rien" beendete. Und so manchen Besucher zum Mitsummen inspirierte.

Den zweiten Teil läutete erneut Thierry Saladin mit "Et maintenant" von Gilbert Bécaud ein. Einem Song, bei dem die Gitarre einen Bolero-Rhythmus beisteuert. Um 21 Uhr standen Saladin und Duguets dann gemeinsam auf der Bühne, gemeinsam ist ihnen das herbe Timbre, als sie "Plus bleu que tes yeux" - "Blauer als deine Augen" von Charles Aznavour interpretieren. Das bekannte Chanson "La mer" von Charles Trenet boten sie in einer reizvollen Bearbeitung von Thomas Ott dar. Nach über zwei Stunden erklang das Chanson, das dem Abend als Motto diente: "Sous le ciel de Paris". Das Akkordeon gab dabei die traurige Melodie vor, bevor zunächst Duguets, dann Saladin einsetzten und die Klänge elegant und elegisch umsetzten. Etwas später tanzten beide sogar miteinander.

Das ausverkaufte Konzert gestaltete sich trotz seiner zweieinhalb Stunden als kurzweiliges Vergnügen, das den Zuhörern keineswegs zu lang erschien. Erst nachdem der letzte Ton erklungen war und das Publikum bereits den Heimweg angetreten hatte, begann es zu nieseln.